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Anekdoten

 

Anekdoten aus 1000 und 1 Nacht
Geschichten aus dem Orient - Wissenswertes und Nachdenkliches

Ägyptische Fastnacht
Das Mulid-Fest
Mulid heisst in der Übersetzung so viel wie „Geburtstag“ und so etwas wie eine bunte, wilde Geburtstagsfeier ist es auch! Sänger, Bauchtänzerinnen, Gaukler, Bettler, Huren, Diebe, Haschischhändler treten auf.

All das in einem bunten Marktgewimmel, obwohl es eigentlich ein heiliges Fest ist, das zu Ehren von Dorfheiligen gefeiert wird. Für uns Europäer scheinen Mulid-Feiern auf den ersten Blick ein anarchistisches Vergnügen bar jeder Religiosität zu sein, für die meisten Ägypter sind sie jedoch ernsthafte Wallfahrten.

Viele Dörfer haben einen Heiligen, dessen Grab zum Jahrestag aufgesucht wird und um das herum an diesem Tag Mulid gefeiert wird. Der Heiligenkult ist keine ägyptische Erfindung.
Auch wenn konservative Muslime ihn ablehnen: So lange es den Islam gibt, gibt es auch eine Heiligenverehrung, obwohl der offizielle Islam keine Heiligen kennt, nur „Freunde Gottes“.

Heilige verfügen über baraka, den Segen Gottes, den sie, auch tot, weitergeben können. Die Berührung seines Grabes überträgt den Segen des Heiligen auf den Menschen, der ihn berührt. Dies ist die Erklärung für die grosse Rolle, die die Heiligenverehrung in Ägypten und anderswo spielt. Aber auch Kopten feiern Mulids; sie verehren dabei ihre christlichen Heiligen, und manch Heiliger ist sogar für beide Religionen zuständig. Dann feiern Kopten und Muslime zusammen.

Die meisten Mulids finden im Herbst statt. Es gibt keine festgelegten Daten. Mal feiert man es früher, mal später. Grund dafür ist der Ursprung des Mulids, nämlich das Erntedankfest, das seit Jahrtausenden überall auf der Welt gefeiert wird.

Dieser „heidnische“ Ursprung, gepaart mit den Ausschweifungen, die laut Aussage von Michael Lehmann, GEO-Redakteur und Ägyptenkenner, „sogar die Love Parade in den Schatten stellen“, führen in Ägypten in konservativen Kreisen zu vehementer Kritik.

Für die z.T. fundamentalistischen Gelehrten sind die Feste wilde Ausschweifungen, die nichts mit dem Islam zu tun haben. Die Regierung hat darauf reagiert: Sie versucht ein wenig Ordnung in das bunte Durcheinander zu bringen und dem Mulid an-Nabi, dem eigentlich heiligsten aller Mulids, dem Geburtstag des Propheten nämlich, einen offiziellen Anstrich zu verleihen.

Mit mässigem Erfolg: Das „heiligste“ aller Mulîds ist staubtrocken und, um noch einmal mit Lehmanns Worten zu sprechen: „hat eher den Charme einer DGB-Veranstaltung am 1. Mai“.

Muriel Brunswig in: Ägypten Travel Handbuch, Stefan Loose Verlag

 
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