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Anekdoten

 

Anekdoten aus 1000 und 1 Nacht
Geschichten aus dem Orient - Wissenswertes und Nachdenkliches

Islamische Feiertage
Ramadan und Aid al-Fitr
Der neunte islamische Monat ist der Fastenmonat Ramadan. Er dauert von Neumond zu Neumond und verschiebt sich Jahr für Jahr um etwa zehn Tage. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist es Muslimen nicht gestattet, zu essen, zu trinken, zu rauchen oder sexuell aktiv zu sein. Sobald aber die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist (was im Sommer recht spät, im Winter hingegen erfreulich früh der Fall ist), beginnt das iftâr, das „Frühstück“, wie man das Fastenbrechen nennt. Nach dem Vorbild des Propheten beginnen die Muslime das iftâr mit einer Dattel. Kurz darauf wird eine Fastensuppe gereicht, der sich etwas später eine üppige Mahlzeit anschliesst. Gegessen wird bis zum Morgenrauen, das durch den Muezzin angekündigt wird. Im Ramadan ist jede Mahlzeit ein Festessen, und die Menschen geben ein Vielfaches dessen aus, was sie im übrigen Jahr für Nahrung brauchen.

Der Ramadan ist ein Monat der Rückbesinnung, in welchem daran erinnert werden soll, dass alle Freuden Geschenke Gottes sind. Beim Fasten werden dem Menschen die Sünden verziehen, Gott hält die Tore der Hölle in diesen Tagen geschlossen, so sagt man, denn: „yuhibb Allâh as-saum“, Gott liebt das Fasten.
Kranke, Schwache, Schwangere, Reisende und Frauen, die ihre Menstruation haben, dürfen während des Fastenmonats essen und trinken. Die dadurch „verlorenen“ Tage sollten jedoch so bald wie möglich nachgeholt werden.

Während des Ramadan spielt sich das Leben v.a. nachts ab. In allen Städten sind so genannte „Ramadanzelte“ aufgebaut, in denen gegessen und gefeiert wird. Entsprechend lange dauert es morgens, bis die Läden und Geschäfte aufmachen. Manche Menschen reagieren in dieser Zeit aggressiver als üblich – kein Wunder, denn viele müssen trotz Hunger und Durst ihrer Arbeit nachgehen. Etwa eine Stunde, bevor es dunkel wird, beginnen die Menschen zu hetzen. Es wird noch schnell eingekauft, alles ruft nach einem Taxi. Wer um diese Uhrzeit auf ein öffentliches Transportmittel angewiesen ist, muss sich auf lange Wartezeiten gefasst machen. Dann leeren sich die Strassen, der Muezzin ruft zum Gebet, und es tritt Stille ein. Gefrässige Stille. Es dauert ein paar Stunden, und dann beginnen die bunten, verzauberten Ramadan-Nächte...

Die schönsten Nächte sind die letzten zehn. Dann werden die Strassen zum Basar und zum offenen Restaurant. Überall werden Öfen aufgestellt, um die köstlichen Süssigkeiten zuzubereiten, die man vor allem im Ramadan mit Freunden isst. Man kleidet die gesamte Familie neu ein, es werden Karusselle und grosse Verstärkeranlagen aufgebaut, man fiebert dem letzten Tag, dem Aid al-Fitr (oder auch Aid as-saghîr, das kleine Fest) entgegen. An diesem letzten Tag, dem 30. Ramadan, ist der Höhepunkt des Fastenmonats erreicht. Man schlachtet Schafe und feiert die Entbehrungen des vergangenen Monats.

Muriel Brunswig in: Ägypten Travel Handbuch, Stefan Loose Verlag

 
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